[vortrag&diskussion]

Es herrscht akute Wohnungsnot. Wie immer mangelt es nicht an guten Vorschlägen, wie diesem Problem zu begegnen wäre: Aktivisten wettern gegen Auswüchse der Spekulation und Preistreiberei, die man politisch allemal verbieten oder bremsen könnte; progressive Parteien fordern einen Mietendeckel und sogar Enteignungen. Dann wären die Mieten vielleicht wieder bezahlbar. Eigentümergesellschaften und ihre freidemokratischen Interessenvertreter können vor so etwas nur warnen: Wenn man den Eigentümern Vorschriften macht und Fesseln beim Mietpreis anlegt, dann lohnen sich Investitionen in neue Wohnungen nicht mehr und unterbleiben deswegen; dann ist der Wohnraum knapp und dann – da kennen sie sich aus – steigen die Mieten doch nur noch weiter. Das Gegenteil – Abräumen der Schranken für ihr Geschäft – würde helfen, dann klappt’s vielleicht auch wieder mit dem Wohnen. Man kann gar nicht sagen, in diesem Disput hätte eine Seite recht und die andere nicht. Recht haben sie beide in dem Sinne, dass genau so die politische Betreuung der Wohnungsfrage im Kapitalismus geht: Ermächtigung und Beschränkung als Hebel der Politik. Unrecht haben sie insofern, als das ausgerufene Problem weder so noch anders garantiert nicht ‚gelöst‘ wird. Denn wo Grund und Boden durch die Macht des Staates zu privatem Eigentum gemacht sind und als stattliche Einkommensquelle lizenziert werden, sind die Ansprüche des Grundeigentums so unhintergehbar wie unvereinbar mit den Wohnansprüchen eines in der Erwerbsarbeit eingehausten Volkes und den Erträgen aus dieser seiner Einkommensquelle. Die ‚Wohnungsfrage‘ ist deswegen so alt wie der Kapitalismus selbst und ist als solche überhaupt nicht ‚zu lösen‘. Allen erregten Gemütern, die das – mindestens für ihren Kiez – unmöglich glauben können, und allen, die ansonsten an einer Kritik der politischen Ökonomie des Grundeigentums interessiert sind, können wir das beweisen …

Montag, 18. November 2019, 19.30 Uhr
Bochum, Ruhruniversität, AStA-KulturCafé, Universitätsstraße 150
Veranstalter: Kritik und Argumente
Referent: Ein Redakteur des GegenStandpunkt-Verlags

[veranstaltungstipp]

Die GEGENSTANDPUNKT-Redaktion bietet die Gelegenheit zur politischen Diskussion

Jour fixe in Dortmund – Regelmäßiger Diskussionstermin

Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstr. 50-58 (Hbf Nordausgang), Dortmund, Raum 226
am 12.11.2019, um 19.00 Uhr

Thema:
Anlässlich von Bayer-Monsanto-Fusion, Glyphosat-Prozessen etc.:
Von den Geldrechnungen in und mit der Landwirtschaft im Kapitalismus

Der Erwerb der amerikanischen Firma Monsanto durch den deutschen Chemiekonzern Bayer, der dafür sorgt, dass das Geschäft mit dem weltweit nachgefragten Pflanzenschutzmittel Glyphosat in die Bilanzen von Bayer ein- und nicht mehr an ihnen vorbeigeht gilt als größte derartige Transaktion der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Darum darf und soll der mitdenkende Zeitgenosse, auch wenn er weder ein Aktienportfolio noch einen Acker bewirtschaftet, sich unter öffentlicher Anleitung in die Fürs und Widers dieser Aktion hineindenken.
Das wichtigste Für dieser Erwerbung eines Ami-Konzerns durch einen deutschen Traditions-Arbeitgeber gilt im allgemeinen mit dem Hinweis als hinreichend geklärt, dass es eben ein deutscher Traditionsarbeitgeber ist, der mit dieser Aktion zum Monopolisten in einer Sphäre wird, die dem Publikum zwecks ehrfürchtiger Bewunderung als „globaler Zukunftsmarkt“ angepriesen wird. Über den muss man darum auch nichts weiter wissen, als dass er eben „global“ ist und offenbar so viel „Zukunft“ hat, dass eine solide rheinische Chemiefirma glatt ihren gegenwärtigen ökonomischen Bestand und Erfolg daran hängt und dafür riskiert, sich diese „Zukunft“ nicht entgehen zu lassen.
Als wichtigstes Contra gilt, dass sich dieser Firmen-Zukauf vor allem auf eine Chemikalie richtet, der man allerlei schädliche Wirkungen auf den Menschen, auf die Natur und womöglich – über ein paar schadens-ersatzrechtliche Zwischenschritte – auf Firmenbilanz und Aktienkurs des neuen Monopolisten nachsagt. Was für niemanden die Frage aufwirft, nach welchen anscheinend global geltenden Prinzipien eine globale Landwirtschaft funktioniert, die offensichtlich einen so unstillbaren Bedarf nach solchen zweifelhaften Cocktails entwickelt. Die ja auch im Falle von Monsantos Glyphosat nicht durch die bösen Chemieriesen, sondern von den süßen kleinen Bauern massenweise auf die Felder gekippt werden.
Welcher Logik zeitgenössischer Landwirtschaft der Bedarf nach Produkten wie Glyphosat systematisch entspringt und welcher Logik das Geschäft folgt, das diesen Bedarf bedient, soll auf unserer Veranstaltung Thema sein.